Antisemitische Aussagen der Linken findet Julia, 23 Jahre alt, nicht in Ordnung. "Die Kritik an einigen Aussagen aus der Partei ist auf jeden Fall berechtigt", sagt sie auf der Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain. Gewählt hat sie die Partei trotzdem. Denn einige Debatten würden ihrer Meinung nach größer gemacht, als sie wirklich seien.
Auch eine 20 Jahre alte Schülerin an einer Kreuzung in Berlin-Mitte sagt, sie stimme nicht allem zu, was die Linke erzählt. Aber das sei ja bei jeder Partei so.
Und Nikolas, 24, sagt, die linke Spitzenkandidatin Elif Eralp habe sich von antisemitischen Äußerungen in den eigenen Reihen distanziert. Auch er hat sein Kreuz bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bei der Linken gesetzt.
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Fast Die Hälfte Der Jungen Wählt Linke
Ein Großteil der 16- bis 24-jährigen Berlinerinnen und Berliner hat die Linke gewählt: 46 Prozent. So auch der 17-jährige Auszubildende Kenar. Das dürfte auch an einem Wahlprogramm liegen, das sich an den Sorgen junger Menschen orientiert.
Kenar sagt, die Linke habe den besten Plan für die Zukunft seiner Stadt. Die Frage nach der Zukunft sei für junge Wählerinnen und Wähler entscheidend, so Politikwissenschaftlerin Julia Riedl von der Universität der Bundeswehr München. Junge Menschen fühlten sich nicht gut repräsentiert von den regierenden Parteien, sagt sie ZDFheute:
Wahl Trotz Antisemitischer Aussagen?
Sind den Jungen antisemitische Äußerungen bei den Linken egal? Etwa der Satz "Tod der israelischen Armee", der auf einer Linken-Veranstaltung gefallen ist? Politikwissenschaftlerin Riedl sagt:
Die junge Generation habe deshalb eine andere Verbindung zu diesem Teil der deutschen Geschichte. Zusätzlich zahlten polarisierende Aussagen auf die Protesthaltung junger Menschen ein.
"Provokante Äußerungen sind etwas, das durchaus Aufmerksamkeit erzeugt. Etwas, das man vielleicht auch krass und beeindruckend findet", sagt Riedl.
Provokation In Den Sozialen Medien
Auf diese Weise erziele man eine große Reichweite in den sozialen Medien. Also dort, wo man die jungen Wählerinnen und Wähler erreicht.
Die Linke steht in Berlin aber nicht nur wegen anti-israelischer Äußerungen in der Kritik. Auf der Wahlparty der Partei ist am Sonntag ein Clanchef mit von der Partie.
Einen Tag später muss sich der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak wegen eines Chats mit einem weiteren Clanmitglied entschuldigen, er zieht sich vorerst aus der Linken-Fraktion zurück.
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Expertin Sieht Mitverantwortung Bei Mitte-Parteien
Dass junge Menschen Randparteien wählen, ist kein reines Berlin-Phänomen. Auch bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt waren Linke und AfD die stärksten Kräfte in der jungen Wählergruppe.
Die Verantwortung dafür sieht Julia Riedl bei den Parteien der politischen Mitte. "Wir tun so, als würden junge Menschen grundsätzlich extreme Parteien wählen", sagt sie. Dabei würden die anderen Parteien überwiegend keine Zukunftsangebote machen.
Es mache sie traurig zu sehen, wie sehr sich junge Menschen von der Politik verlassen fühlten. Sie fordert von den Parteien nicht nur bessere Visionen für die Zukunft, sondern auch das Rückgrat, diese durchzusetzen.
Deetje Kräft berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio.
Über dieses Thema berichtete unter anderem das heute journal am 21.09.2026 ab 21:45 Uhr.