Millionen Autofahrer warten auf den Donnerstag. Dann macht der vergangene Woche von Bundestag und Bundesrat beschlossene Tankrabatt den Sprit billiger. Bis Dezember sollen die Steuern auf Benzin und Diesel um knapp 17 Cent sinken, um Autofahrer zu entlasten. Was Sie wissen müssen.
Wann Gilt Der Tankrabatt?
Der Nachlass von 14,04 Cent pro Liter bei der Energiesteuer beginnt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um Mitternacht und gilt für drei Monate.
Er greift allerdings nicht beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern bei der Lieferung. Genau gesagt, gilt er für Sprit, der nach Mitternacht ausgeliefert wird. Weil der niedrigere Preis beim Verkauf auch für weniger Mehrwertsteuer sorgt, ergibt sich ein Nachlass von insgesamt 16,7 Cent.
Wie Schnell Wird Der Sprit Billiger?
Die Tankstellen müssen die Steuersenkung nicht eins zu eins weitergeben. Zudem wird um Mitternacht noch praktisch keine Tankstelle steuerbegünstigten Kraftstoff vorrätig haben. Aus der Erfahrung mit dem jüngsten, weitestgehend identisch angelegten Tankrabatt im Mai und Juni ist aber zu erwarten, dass die Preise in der Nacht zum 1. Oktober schnell fallen werden - oft schon um Mitternacht. Das liegt vor allem daran, dass Verbraucher dies so erwarten.
Dass dabei gleich überall die vollen 16,7 Cent ankommen, ist aber eher unwahrscheinlich.
Sollte Man Am 1. Oktober Früh Tanken?
Nein. Es gibt keinen Grund, früh aufzustehen. Einerseits kann der Preis wegen der Vorgabe, dass eine Erhöhung nur täglich um 12 Uhr zulässig ist, bis Mittag ja nicht wieder steigen, sondern nur sinken. Typischerweise ist der späte Vormittag der billigste Moment des Tages.
Zu knapp sollte man dabei aber nicht planen: Da die Nachfrage am Donnerstag hoch sein dürfte, kann es zu Schlangen an Tankstellen kommen - und wer nach 12 an der Zapfsäule ankommt, zahlt in der Regel kräftig drauf. Daten des Portals Tankerkönig zeigen, dass die Preise am Mittag oft im Bereich um 20 Cent pro Liter nach oben schießen.
- Warum der Staat an den hohen Spritpreisen nicht mitverdient
Wer noch genug Sprit im Tank und keine Lust auf volle Tankstellen hat, kann auch ein paar Tage warten. Bis dahin können die Preise aber schon wieder schwanken - das kann zugunsten des Autofahrers ausfallen oder nicht. Bei den Tankrabatten 2022 und vor wenigen Monaten waren die Preise in den Tagen nach dem Start beide Male wieder gestiegen, wie aus Daten des ADAC hervorgeht.
Kommt Der Rabatt Komplett Beim Kunden An?
Das ist umstritten. Beim Rabatt im Mai und Juni hatten unter anderem Ifo-Institut, Monopolkommission und Bundeskartellamt nur eine unvollständige Weitergabe errechnet. Die Mineralölwirtschaft bestreitet dies.
Grundsätzlich ist die Weitergabe schwierig messbar, da der Spritpreis durch Einflüsse von außen deutlich schwankt. Gerade zu Beginn des Rabatts kann es je nach Tankstelle große Unterschiede in der Weitergabe geben. Ein Preisvergleich lohnt in dieser Zeit noch mehr als sonst.
- Monopolkommission: Tankrabatt "nicht vollständig" angekommen
Wird Der Sprit So Billig Wie Vor Dem Iran-Krieg?
Kaum. Am letzten Tag vor Kriegsausbruch Ende Februar kostete ein Liter Super E10 nach Daten des Autofahrerclubs ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro, ein Liter Diesel 1,75 Euro - der Abstand zu den aktuellen Preisen ist damit sehr viel größer als der geplante Steuerrabatt.
Selbst ein Fallen unter 2 Euro ist aktuell eher unwahrscheinlich, sofern es keine grundlegende Trendwende am Öl- und Kraftstoffmarkt gibt. Am vergangenen Sonntag kostete ein Liter E10 im bundesweiten Tagesschnitt 2,28 Euro, ein Liter Diesel kostete 2,43 Euro.
Drohen Engpässe?
Weil der Steuerrabatt nur für Sprit mit Lieferung nach 0 Uhr am 1. Oktober gilt, ist es für Tankstellen attraktiv, mit kleinen Lagerbeständen in den Oktober zu gehen. Dazu kommt, dass auch viele Autofahrer ihre Tanks kurz vor dem 1. Oktober nicht komplett füllen werden.
Beim letzten Rabatt hatte dies zu mehr Andrang, aber nicht zu großen Problemen geführt.
Was Kostet Das Alles Und Wer Bezahlt?
Die Bundesregierung erwartet, dass 2,485 Milliarden Euro weniger Steuern in die Staatskasse fließen. Die Hälfte sollen diesmal aber die Länder tragen. Der Bund tritt ihnen dafür etwas weniger Umsatzsteuereinnahmen ab als normal.
Das Vorgehen ist durchaus ungewöhnlich, denn häufig finanzieren die Länder Entscheidungen aus dem Bund nur mit großen Bauchschmerzen mit.
Wie Viel Bringt Der Rabatt Dem Durchschnittsfahrer?
Das durchschnittliche Auto wird in Deutschland laut Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes rund 900 Kilometer pro Monat bewegt. Geht man von einem Verbrauch von 7 bis 8 Litern auf 100 Kilometer aus, spart sich der durchschnittliche Verbrennerfahrer durch den Rabatt auf die vollen drei Monate gerechnet also grob 32 bis 36 Euro.
Je nach Fahrleistung, Verbrauch und geschicktem Tanken nach Beginn und vor Ende des Rabatts kann der Wert aber deutlich abweichen.
- Ökonom zu Spritpreis-Paket: "Kein gutes Signal"
- "Was für ein Wahnsinn": Grüne kritisieren Tankrabatt-Pläne
Was Sagen Bürger Und Ökonomen Zum Rabatt?
Die Meinungen der Bürger zum Tankrabatt sind geteilt, das zeigt das ZDF-Politbarometer von vergangener Woche. Während 50 Prozent die zeitgleich begrenzte Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin begrüßen, halten 44 Prozent sie für schlecht.
Vor allem bei den Anhängern der Linken (40 Prozent) und der Grünen (29 Prozent) findet der Tankrabatt nur wenig Zustimmung. Insgesamt findet eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent, dass die Bundesregierung zu wenig gegen die steigenden Energiepreise tut.
Ökonomen halten indes wenig von der Maßnahme. Die wichtigsten Kritikpunkte, die es schon bei der letzten Ausgabe gab:
- Der Rabatt ist relativ teuer und nicht zielgenau. Er unterstützt auch Menschen, die die Hilfe nicht nötig haben. Menschen, die kein Auto haben, aber über Heizkosten oder anderes unter den hohen Spritpreisen leiden, nutzt er dagegen nichts.
- Er dämpft das Preissignal: Normalerweise werden knappe Güter teurer, was den Verbrauch dämpft. Dieser an sich sinnvolle Mechanismus wird durch eine künstliche Verbilligung von Sprit aber ausgebremst.
- Es ist nicht garantiert, dass er komplett beim Verbraucher ankommt.
Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde am 25.09.2026 erstveröffentlicht und am 29.09.2026 angepasst.
Quelle: dpa, ZDFÜber das Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, unter anderem in der heuteXpress am 25.09.2026 ab 12:10 Uhr.